Rainer M. Schröder - Das Geheimnis des Kartenmachers - Rezension Lettern.de Rainer M. Schröder - Das Geheimnis des Kartenmachers

(ab 12 Jahre)
Arena Verlag
broschiert, 268 Seiten

7,95 € 
ISBN 3-401-02242-3
Hörbuch: 3-899-40412-2

 

Dieses Buch neu bestellen          <- gebraucht suchen


WOW! Es gibt nicht viele Bücher, die dieses Kompliment von mir bekommen. Obwohl: das Wort Kompliment trifft es nicht so richtig. Eigentlich verdient dieses Buch sogar (fast) wahre Begeisterungsstürme, es sollte in den Olymp der wirklich guten Bücher gehoben werden und  – obwohl ein Jugendroman – auch von Erwachsenen gelesen... ach, was sage ich... verschlungen zu werden!

Zur Story:

Die Geschichte ist im Mittelalter angesiedelt. Zu einer Zeit, in der die Geografie noch in den Kinderschuhen steckte und fast alle Menschen an die Scheibenform der Erde glaubten.

Der 16jährige Caspar Sebald besitzt ein fotografisches Gedächtnis, kann also blitzschnell Grafiken, Texte und dergleichen mehr erfassen und originalgetreu wiedergeben. Caspar kommt in die Lehre des Kupferstechers Bartholomäus Wolkenstein, einem sehr verschrobenen, merkwürdigen Kauz. Scheinbar... Er bringt Caspar sehr viele Dinge bei, verbietet ihm aber, einen ganz bestimmten Bereich des Hauses zu betreten. Dieses „Sanktuarium“ ist immer verschlossen und auch so abgedichtet, das nichts von außen erspäht werden kann.

Der Kupferstechers Bartholomäus Wolkenstein kommt Caspar immer merkwürdiger vor, und zu gern würde der 16-jährige wissen, welches Geheimnis seinen Lehrherrn umwölkt. Zudem auch noch andere Ereignisse den Kupferstecher in ein Licht rücken, bei dem Caspar nun ganz und gar nicht weiß, woran er ist. Aber es kam der Tag, an dem er es erfahren sollte: es geht um... Landkarten!

Und darum, das Bartholomäus Wolkenstein einen Konkurrenten hat, der ihm eine ganz bestimmte Karte abknöpfen will. Die Lage spitzt sich zu, als einer der Verbündeten Wolkensteins, der Buchhändler Quentel, von seinem Konkurrenten überfallen wird. Doch läuft neben dieser Szenerie noch ein weiterer Handlungsstrang: Bartholomäus Wolkenstein begeht eine der schlimmsten Todsünden der damaligen Zeit: Er prangert die Kirche und ihre Abzocke gegenüber den einfachen Gläubigen an. Darum will ihn die Inquisition in ihre Fänge bekommen.

Obwohl Bartholomäus Wolkenstein und Caspar schon einen Verbündeten in Kirchenreihen haben, sind die fanatischen Glaubensherren trotz aller Beschwichtigungen und Gegenbeweise felsenfest davon überzeugt, das man den Kupferstecher mittels Folter auf den Weg des Wahren Glaubens zurückführen muss.

Und um dies durchzusetzen, "überfallen" einige Glaubensbrüder die Behausung Wolkensteins, und obwohl dem Kupferstecher, Caspar und der Magd Klara (ja, eine Liebesgeschichte ist auch noch mit drin) vorerst die Flucht gelingt, können die Häscher Gottes zumindest Bartholomäus Wolkenstein gefangen nehmen.

Nun ist es an der Aufgabe von Caspar und Klara, aber auch Quentel, den Kupferstecher aus seiner Gefangenschaft zu befreien, bevor die Knechte ihre Folterarbeit beginnen können. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Fazit:

Das Geheimnis des Kartenmachers ist ein Roman, den man auf gar keinen Fall übersehen sollte. Er ist wunderbar geschrieben, die Charaktere sind lebendig gezeichnet, die Story als solches ist ansprechend und gar nicht mal unrealistisch. Und es werden sehr viele Gewohnheiten des Mittelalters, insbesondere einige Handwerkstechniken, lebendig erklärt.

Ich finde, man merkt Rainer M. Schröder an, dass er sich beim Schreiben dieses Romans viel Zeit gelassen hat, und das Ergebnis ist gut.

Leider gibt es auch bei diesem Buch zwei Dinge zu bemängeln: Zum Einen wird im Buch erwähnt, das die Magd Klara von ihrem älteren Bruder abends sexuell belästigt wird. Zugegeben, eine sehr abscheuliche Sache, die ich keinem Menschen wünsche. Aber irgendwie passte sie nicht so direkt in die Geschichte.

Und das zweite Manko: Obwohl die Handwerkstechniken sehr genau und gut beschrieben wurden, kam es mir gelegentlich einen kleinen Tick zuviel vor.

Ansonsten aber: Hut ab vor diesem Meisterwerk! Rainer M. Schröder hat einen „Fan“ mehr. Und ich hoffe, dass er noch viele so tolle Bücher schreibt!

© Michael Vogl 2003


Aktuelle Kinderbuch-Rezensionen
Aktuelle Rezensionen
Aktuelle Hörbuch-Rezensionen
Rezensionen von A-Z
Rezensionen nach Genre

Rezensionen von lettern.de