Heidemarie Andrea Sattler: Prosa eines mallorquinischen Katers
Beobachtungen
Da liege ich nun auf der
warmen Mauer unter dem Pinienbusch und beobachte die Geschehnisse dieses Tages.
Der Wind trägt säuselnd das Meeresrauschen zu mit herüber und in der Luft liegt
der Geschmack des Salzes.
Noch regiert die Beschaulichkeit am Leuchtturm von Torre Embucada und ich
strecke meine Glieder und genieße den Anblick über die Landschaft.
Ach, herrlich so ein neuer Morgen, an dem alle Sinne durch die scheinbare
Einfachheit der Dinge erfrischt werden. Mich drängt nichts und noch kann ich
meine Gedanken schweifen lassen…
Mein Leben verläuft hier meistens in ruhigen Bahnen und der Liebe bin ich auch
nicht abgeneigt.
Zurzeit verbringe ich die schönsten Stunden und Nächte mit Maria. Sie ist zwar
um einige Jährchen jünger als ich, aber das tut nichts zur Sache.
Morgens begrüßt sie mich mit einem kleinen Stups ihrer Nasenspitze und dann, na
ja, dann verwöhnt sie mich mit allen Tricks... Aber man ist ja Gentleman und
plaudert deshalb hier nicht alles aus.
Ab und an verschwindet sie auch für eine paar Stunden. "Großstadt besuchen",
nenn sie das. Schließlich leben wir in einer recht lockeren Beziehung und sie
sieht mir meine kleinen "Abseitsbesuche" auch nicht nach.
Aber jetzt muss ich mich auf die Geschehnisse konzentrieren, die sich
unweigerlich, wie jeden Tag, den Weg zu mir bahnen.
Da sind sie schon. Schnell noch einmal das Aussehen überprüft und dann beginnt
die Show.
Die ersten Autos reihen sich im Parkplatz auf und die lauten Touristen bestaunen
den Ausblick von meinem Leuchtturm. "Oh, wie schon", "...wie blau der Himmel
hier ist und erst das Meer!"
"Seht mal den Baum dort und die Felsen" und "Oh" und "Aah", als ob es sich hier
um einen Platz auf dem Saturn handeln würde.
"Hey Leute", würde ich am liebsten rufen, "ganz ruhig, wir sind hier auf Mutter
Erde. Steine und Flora gibt es auch anderswo und Luft zum Atmen sowieso." Aber
ich bin schweigsam und lasse alles geduldig in meine Ohren hinein und wieder
hinaus.
"Och, schaut Mal, wie süß, ein Kätzchen", tönt es da und ich bin entdeckt. Immer
näher kommt diese aufdringliche Kamera und so beschließe ich meinen Liegeplatz
zu verlassen. Ganz gemächlich räkle ich mich und strecke galant die linke Tatze
nach vorne. Letzte Möglichkeit für die Touris noch ein paar Schnappschüsse von
mir einzufangen, denn gleich bin ich in meinem stillen Eckchen, in de Nische
unterhalb eines Felsenvorsprunges verschwunden.
Jetzt mache ich erst einmal Siesta und träume von meiner süßen Maus.
© Heidemarie Andrea Sattler
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