Claire Ogro: Mènage-á-trois
Frau Pein war ein unmögliches Weib. Sie war aufdringlich, penetrant, launisch und hinterhältig. Immer wenn man dachte, man sei sie los, kam sie durch die Hintertüre wieder herein. Niemandem im Haus war sie sympathisch, weder dem stillen Grübler aus dem Dachgeschoss, noch dem agilen Pärchen aus dem Souterrain. Sie belästigte einfach jeden. Leider gab es keine Möglichkeit sie vor die Tür zu setzen. Es half nichts, sie musste ertragen werden, auch wenn es allen schwer fiel. Ihre Launen waren zwar unerträglich und an ihrer Unberechenbarkeit hatten die Gemeinschaft schwer zu schlucken, aber sie hatte alle in der Hand, da sie ihre Schwachstellen kannte. Man versuchte mit ihr klar zu kommen, so gut es eben ging oder ihr von vornherein aus dem Weg zu gehen.
Dann lernte Frau Pein Herrn Unglaube kennen. Anfangs waren sie so mit sich
beschäftigt, dass die Hausgemeinschaft schon aufatmen wollte, bis der
stille Grübler sich meldete und ihnen sagte, dass die beiden ihn
malträtieren würden und er wegen ihnen schlaflose Nächte hätte. Diese
Nachricht betrübte alle im Haus so sehr, dass sie solidarisch mit ihm
litten. Sie fragten sich, ob es noch schlimmer kommen könnte. Es konnte...
Eines Tages gesellte sich zu Herrn Unglaube auch noch Fräulein Missmut.
Herr Unglaube brachte sie einfach mit. Fräulein Missmut war deutlich
jünger und graziler als Frau Pein, was deren Laune nicht gerade
beflügelte. Sie war ganz deutlich eifersüchtig, da sie nicht mehr die
erste Geige spielte und ihre Wut ließ sie ungehindert an der
Hausgemeinschaft aus. Der Hausgemeinschaft war klar, dass es so nicht
weitergehen konnte. Frau Pein war kaum mehr zu ertragen.
Der stille Grübler hatte schließlich die rettenden Idee. Man lud Frau Pein
zu einem Gespräch ein. Sie wurde eingelullt mit Komplimenten und
Aufmerksamkeiten. Durch die Blume machte man ihr klar, dass sie doch viel
zu kultiviert sei für solch eine Mènage-á-trois, dass diese doch weit
unter ihrem Niveau wäre. Frau Pein wurde im Laufe des Gesprächs sehr
nachdenklich und ausgesprochen umgänglich. Die Hausgemeinschaft hatte
offenbar die richtigen Töne getroffen.
Schon am nächsten Tag zeigte das Gespräch Wirkung. Herr Unglaube fand sich
mal wieder zusammen mit Fräulein Missmut ein. Nach einem lautstarken
Streit, warf Frau Pein die beiden schließlich raus und zwar endgültig.
Frau Pein wäre nicht Frau Pein, wenn sie sich dadurch generell geändert
hätte, aber für die Hausgemeinschaft war sie insgesamt wieder erträglicher
geworden. Außerdem war Herr Zuversicht von seinem Auslandaufenthalt
zurückgekehrt, der schon von jeher sehr gut mit Frau Pein konnte. Wenn es
Frau Pein nun mal wieder auf die Spitze trieb, dann wandte man sich
einfach vertrauensvoll an ihn...
(© Copyright Claire Ogro, 2008,
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