Anant Kumar: Der Dackel / Rausch


Der Dackel

Im letzten Leben war ich
eine Bulldogge.
Kräftig und hässlich.
Mein Herr gab mir Befehle.
Und ich wurde immer braver.

Meine Karmas waren gute Taten.
Es hat sich gelohnt.
Jetzt bin ich ein Dackel.
Klein und süß.

Gleichberechtigt
meine Herrin und ich,
zusammen einkaufen
zusammen frühstücken
zusammen Glotze gucken.
Wenn sie sich aufregt
sage ich auch ein "WAU" drauf.

Gestern spuckte einer auf die Straße.
Meine Herrin ihn beschimpfte* und damit nicht aufhörte*.
Der arme Mann zitternd sich duckte.
Im Magen spürte ich ein großes Gelächter
und ich schiss mitten auf die Straße.

Bewusste Abweichung von der Norm "beschimpfte ihn" und "hörte damit nicht auf".


Rausch

mit weit geöffneten Augen 
das männliche Geschlecht.
Stößt hin und wieder Schrei aus
die verringerte Frauenanzahl.
ein Riesenbierbauch rülpst.
... 

müde und verloren
gucke ich auch auf das entblößte Fleisch
obwohl der Verein "Frauen als Siegerin e. V." es verbietet.

die Tanzfläche hat gewonnen
matt verlassen sie sie
aber sie brummt weiter im Rausch.

(Aus: Kasseler Texte (Gedichte, Glossen, Satiren, ...), Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 1998, 2. Auflage 2000, ISBN 3-932497-12-0, Euro EUR 10, 10)

(Copyright Anant Kumar, kumar@student.uni-kassel.de
Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe ist nicht erlaubt)


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