Georg Klinkhammer: Der Zecher


Dereinst, es war so um halb zehn,
must' ich einmal zum Wirtshaus geh'n.
Um endlich und nach langer Zeit,
glaubt mir, es hatt' mich arg gereut,

die Schuld, die mir der Wirt gestundet,
vom Bier, das mir so sehr gemundet,
zu zahlen endlich, Geld war da.
Mein Schritt war schnell, die Kneip' schon nah.

Doch plötzlich, kaum zehn Meter noch,
kam der Gedanke in mir hoch:
'Lass warten ihn noch ein paar Weilchen
und kauf stattdessen schöne Veilchen,

für deine Liebste, die zu Hause
vor'm Fernsehn sitzt mit einer Brause.'
Gedacht, getan, und kaum zurück,
denk ich noch, hab' ich nicht ein Glück,

das meine Liebste mir gewogen,
bis jetzt ist sie nicht ausgezogen.
Da hör' ich aus dem Schlafgemach,
ich sag euch gleich, mein Nerv lag brach,

ein mir so sehr vertrautes Stöhnen.
Da kann man sich nicht dran gewöhnen,
wenn es nicht aus dir selbst gekommen.
Dann hatte ich auch noch vernommen,

so Worte wie mein Schatz, mein Engel.
Was macht der nur mit seinem Bengel?
Vor Schreck erstarrt, die Tür weit auf,
nahm dann das Schicksal seinen Lauf.

Die Veilchen glitten langsam runter,
die beiden wurden jetzt sehr munter.
Und hatten Müh' beim Kleider raffen,
ich konnte sie nur noch begaffen.

Wie sie das Zimmer schnell verließen.
Seitdem tu' ich den Tag begießen.
Und freu' mich, wenn der Wirt trotzdem,
Kredit gewährt, so um halb zehn.

(Copyright Georg Klinkhammer, E-Mail: g.klinkhammer49@web.de)
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Georg Klinkhammer
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