Daniel Büttrich: Zu den Rosen
Ein fremder Mann, dunkles
Gewand
Der böse Mächte an sich band
Stand einst des Nachts mit Zigarett'
Im
Halbdunkel neben dem Bett
Mit trocknem Mund kam mir
die Frage
Wie er sich in die Wohnung wage
Er hob die Hand und lachte tief
Dass mir es kalt den Rücken lief
Er nahm noch einen Zug auf
Lunge
Und sagte dann "Du armer Junge!"
Ich wollte mich nun doch erheben
Der Mann, er sollt' jetzt was erleben!
So fiel ich zitternd aus dem
Bett
Als ob ich was getrunken hätt'
Licht
brennt im Flur, der Mann ist fort
Ist er der Geist vom finstern Ort?
Was macht er hier in unserm
Leben?
Wozu sonst soll es Türen geben
Die ihn dran hindern einzudringen
Und das Lied vom Mond zu singen?
Der
Mond, der Mond, er ist so hell
In Kratern findet sich ganz schnell
Ein Loch, das nur für dich gegraben
Der Mond, er wird sein Freud dran haben
Der Mann hat sein Gesicht im
Dunkeln
Nur gelbe Augen sieht man funkeln
Meiner Liebsten singt er die Verse vor
Schenk diesem Scharlatan kein Ohr!
Benommen sitzt sie im
Wohnzimmer
Der Fremde rezitiert noch immer
Plötzlich streckt er nach ihr seinen Arm
Ich muss nun schnell dazwischenfahren
Zu den Rosen! rufe
ich, so laut ich kann
Der Mann schaut mich entgeistert an
Sein wüster Grau-Vollbart lässt kaum erkennen
Dass an ihm auch Nase, Mund und Ohren hängen
Zu den Rosen wollen
wir fliehen
Uns dem fremden Mann entzieh'n
Komm doch, Liebste, lass und gehen
Lassen wir ihn einfach stehen
Sein Blick hält sie zunächst
gefangen
Ich küsse sie auf ihre Wangen
Und flüster' ihr ganz sacht ins Ohr
Komm, wir gehen zu den Rosen vor
Da war der Bann dann doch
gebrochen
Der fremde Mann hat nach Schnaps gerochen
Er sah nun aus wie ein verrückter Clochard
Der nicht mehr in seinen besten Jahren war
Die Rosen standen voller
Freude im Saft
Wir strahlten uns an und hatten viel Kraft
Der Mann schlich geduckt zurück zum Mond
In einen Krater, den er alleine bewohnt
(Copyright
Daniel Büttrich,
E-Mail:
samsa4@gmx.de)
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