Hagen Brettschneider: ohne Titel
Eine Ente aus weißer
Watte hat am Himmel festgemacht
Die Sonne krallt sich in der Erde fest
Papierfische und Spielzeuguhren
Blumen, mit Buntstiften an die Wand gemalt
Auf einem gläsernen Tablett eine Streitmacht von Ölen und Cremes
Sie sucht nach Glanz in den Augen der Männer,
Getrieben von der Hoffnung, noch einmal zu lieben wie beim ersten Mal…
In ihren Nächten ist sie Leib, Urhöhle, Schlamm und Lust
Ihre Flügel sind aus Glas und Gold,
Ihre Himmel verschwiegen und zerbrechlich
Sie nimmt ihn zu sich hinunter in ihren Traum
Er küsst die Hügel ihrer Brust
Über ihm kleine Nippel wie ein Sonnenuntergang
Und das Licht sanfter Augen…
Er lässt sich vom Blutstrom bis zu ihrem Herzen tragen
Seine Arme wachsen in ihr Haar
Ihre Wimpern zucken auf seiner Haut wie ein Seismograph
Er kam aus den Wolken,
In die Reste eines Umhangs gehüllt aus den Nebelbänken,
Schwamm nachts durch Flüsse mit singenden Armeen,
Die Landschaft aufzuheitern, die Augen der Käfer zu löschen,
Der Sonne die brennenden Blumen zu entreißen und alte Meere zu erstaunen
Er kriecht um ihre Beine, betäubt und ausgepeitscht von ihrem Haar
Sie drückt sein Gesicht an das Wohnzimmerfenster
Die Decken sind niedrig und der Käfig eng
Kälte schiebt sich wie ein Messer in das Zimmer
Der Winter kommt herein und der Schnee verbrennt sein Herz
Auf ihren Lippen blüht das Schweigen wie ein Geschwür
Ihre Augen, die er nicht halten kann, hängen sich an eine Reise
Ein Vorhang aus Rasierklingen zerschneidet alle Nähe
Mit ihren langen Fingernägeln reißt sie Fäden aus seiner Kehle
Während er noch schreit, zieht sie ihm die Haut ab oben über den Kopf
Offen liegen seine Sehnen und ohne Haut pulsieren seine bebenden Adern
Sein Kopf hängt triefend mit den anderen vom Tor ihres Hauses
Liebe ist Blut
Liebe ist gottlos
Gleichgültig schluchzen die Geigen…
(Copyright Hagen
Brettschneider, E-Mail:
hagimail@gmx.net)
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