Katerina Timm: Hexenschwester - Rezension Literaturmagazin Lettern.de Katerina Timm: Hexenschwester

Marion von Schröder Verlag
Hardcover
, 446 Seiten
16
,90 €
ISBN: 3-547-71137-1

 

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In ihrem neusten Roman "Hexenschwester" schildert Katerina Timm das Leben der Zwillingsschwestern Clara und Lene Kalkhof während des 30-jährigen Krieges, als im Jahr 1624 die Hexenverfolgung auch das hessische Städtchen Büdingen erreichte.

Die Schwestern leben auf dem Weingut des Vaters und sind beide in den Buchbinder Velten verliebt, der sich für Clara entscheidet und sie heiratet. Lene geht eine Vernunftsehe mit dem Schuhmacher Contz ein, ihr Herz gehört jedoch weiterhin Velten. Das Leben der Bevölkerung, insbesondere das der Frauen, wird sowohl durch den Krieg als auch durch die beginnende Hexenverfolgung bedroht. Die Bevölkerung wird in Angst und Schrecken versetzt, Freundschaften zerbrechen und unschuldige Menschen sterben.

Katerina Timm schildert sehr eindrucksvoll, welche Auswirkungen dies auf das Leben der Bevölkerung hatte, wie jede Geste, jedes Wort und jede Handlung gefährlich werden konnte, wie ausgeliefert die Menschen sich gegenüber dem Militär und den Hexenprozessen fühlten und mit welch fragwürdigen Methoden Geständnisse erzeugt wurden.

Man merkt dem Roman an, dass die Autorin nicht nur sehr gründlich recherchiert hat, sondern auch mit Herz und Seele bei ihren fiktiven Figuren ist. Statt bekannte Persönlichkeiten hat sie einfache Menschen in einem kleinen Ort in den Mittelpunkt ihres Romans gestellt, ihr Verhalten absolut überzeugend gezeichnet und den Roman mit glaubwürdigen Wendungen gespickt, die mich immer wieder den Atem anhalten ließen und zum Weiterlesen bis spät in die Nacht zwangen. Hinzu kommt der flüssige Erzählstil, der sowohl zu den Figuren als auch zu jener Zeit passt, die plastischen Beschreibungen, die mich perfektes Kopfkino erleben ließen und der wohltuende Verzicht auf ausufernde Schilderungen von Grausamkeit – was nicht heißen soll, dass die Schrecken des Krieges oder der Folter beschönigt oder verschwiegen würden. Auch die besondere Beziehung der Zwillinge zueinander wird liebevoll geschildert und gibt der Handlung noch eine ganz besondere Note.

Mein Fazit: Ein sehr lesenswertes Werk zu einem an sich ausgeschlachteten Thema, das seine Leser mit in das Büdingen jener Zeit nimmt und Vorfreude auf das nächste Buch von Katerina Timm weckt.

© Claudia Stache 2010


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